Architektur von Zen-Tempeln in Japan
Sowohl die Architektur als auch der Grundriss eines Zendera 禅寺 oder Zen-Tempels in Japan sind recht unterschiedlich von Tempeln anderer buddhistischen Schulen Japans. Die buddhistischen Schulen Tendai 天台宗 und Shingon 真言宗 sind während der Heian-Zeit 平安時代, 794 bis 1192, nach Japan gekommen. Die Schule des Zen fasste erst mit Eisai Myōan 明菴栄西 und Dōgen Zenji 道元禅師 zu Beginn des 13. Jahrhunderts Fuß in Japan. Frühere Versuche in Nara 奈良市 durch Dosho, 629 bis 700, Zen als eigenständige buddhistische Schule zu etablieren schlugen fehl (Einarsen, 2004, S. 12-13).
Als das chinesische Chan nach Japan kam, da brachte es die Architektur Song-Chinas mit. Die Zen-Tempel Kyotos und Kamakuras sind architektonischen Stilen nachempfunden, die zur Zeit der Song-Dynastie, 960 bis 1279, in China weit verbreitet waren. Für die Obaku-Schule des Zen, die 1660 durch den chinesischen Priester Ingen Ryuki nach Japan gebracht wurde gilt, dass sich ihre Tempel, wie zum Beispiel Manpuku-ji 萬福寺, an die Architektur von Ming 明朝- und Qing 清朝-China angelehnen.
Shichido Garan eines Zendera
Ein typischer Zen-Tempel hat sieben architektonische Merkmale 七堂伽藍 (shichido garan):
- Sanmon 三門 oder 山門, Tor
- Butsuden 仏殿, Buddha-Halle
- Hattō 法堂, Dharma-Halle
- Tōsu 東司, Latrine
- Yokushitsu 浴室, Bad
- Kuri 庫裏, Küche
- Zendō 禅堂 bzw. Sōdō 僧堂, Meditations-Halle.
Die Gebäude sind entlang einer Nord-Süd-Achse ausgelegt, die dem menschlichen Körper nachempfunden ist, mit dem Butsuden als Herz. Die Gebäude eines Zendera wurden üblicherweise unbemalt gelassen. Außerdem war es gebräuchlich, Teile von Burgen, Palastgebäuden etc. für den Bau wieder zu verwenden.

Die Nummern auf der Abbildung entsprechenden den folgenden Gebäuden: (1) sōmon 総門, (2) chokushimon 勅使門, (3) hanchi 畔池, (4) tōsu 東司, (5) yokushitsu 浴室, (6) sanmon 三門 oder 山門, (7) butsuden 仏殿, (8) shōrō 鐘楼, (9) zendō 禅堂 bzw. sōdō 僧堂, (10) hattō 法堂, (11) kyōzō 経蔵, (12) hōjō 方丈, (13) kuri 庫裏, (14) kaisandō 開山堂, (15) nantei 南庭, (16) Friedhof 墓地, (17) jinja 神社 (shintoistischer Schrein), (18) tachū 塔頭, (19) sōan
Beschreibung der Zendera-Gebäude
Im Eingangsbereich:
- Sōmon 総門: Das äußere Tor und weit kleiner als das sanmon. Manchmal begleitet von einem äußerst eleganten Tor, dem chokushimon 勅使門. Dieser Tor wird nur vom Kaiser und den kaiserlichen Gesandten verwendet.
- Hanchi 畔池: Ein quadratischer Teich, der in der Mitte durch eine steinere Brücke in zwei Hälften aufgeteilt wird. Der Teich fungiert als Trennlinie zwischen der säkularen Welt und dem Tempelbereich. Der hanchi wurde jedoch auch ganz praktisch als erste Verteidigungslinie gegen Feuer verwendet.
Die Shichido garan:
- Sanmon 三門, 山門: Das “Erleuchtungs-Tor” ist ein großes Bauwerk mit einer nur noch symbolischen Funktion. Es folgt direkt nach dem Teich und ist damit das erste Gebäude nach der säkularen Welt. Für das sanmon gibt es zwei verschiedene Schreibweisen. 山門 bedeutet wörtlich “Berg-Tor”. Dies bezieht sich darauf, dass viele Tempel sowohl in China als auch in Japan in den Bergen gebaut wurden. Die zweite Schreibweise ist 三門 und bedeutet “Drei Tore”. Die Struktur des sanmon bietet dem Besucher des Tempelgeländes drei Durchgänge und ist so der Namensgeber für diese Schreibweise. Die drei Tore repräsentieren: Tor der Leerheit 空門, Tor der Formlosigkeit 無相門 und Tor der Absichtslosigkeit 無願門.
- Butsuden 仏殿: Dieses Gebäude ist normalerweise das zweit größte Gebäude und ist der Dharma-Halle auf der Nord-Süd-Axe vorgelagert. Diese Halle ist ausdrücklich für die Einschreinung einer Buddha-Statue vorgesehen. Hier, vor dem Buddha werden Zeremonien, spezielle Riten und die Verehrung vorgenommen.
- Hattō 法堂: Die Dharma-Halle, Halle der Lehre, ist das größte Gebäude eines Zen-Tempels. Hier werden die Lehrreden des Abtes gehalten und den Mönche die Lehre des Buddha nahegebracht. Die Dharma-Halle ist der Ort, wo die wertvollsten Buddha-Statuen des Tempels aufbewahrt werden. Ebenfalls finden sich hier die Abbildungen früherer Äbte des Tempels. Die Decke des Hattō ist in der Regel mit einem großen Drachen bemalt. Der Glaube ist, dass der Drache alle Aktivitäten unter sich unter seinen Schutz stellt. Ferner sollte der Drache als ein Wasser-Wesen auch vor Feuer schützen. Als diese Gebäude gebaut wurden, da waren sie die größten Gebäude in der ganzen Stadt.
- Zendō 禅堂 bzw. Sōdō 僧堂: Die Meditationshalle befindet sich üblicherweise links von der Dharma-Halle. Dies ist der Ort der Praxis. Im Rinzai Zen 臨済宗 meditieren die Mönche mit dem Blick Richtung Raummitte, die Mönche im Soto Zen 曹洞宗 hingegen blicken, wie einst Bodhidharma, Richtung Wand.
- Kuri 庫裏: Die Küche eines Zendera liegt normalerweise neben den Räumen des Abtes. Hier werden die Speisen zubereitet und verzehrt. Viele Tempel haben ihren eigenen Gemüsegarten, der sich hinter der Küche befindet.
- Tōsu 東司: Die Lantrine und
- Yokushitsu 浴室: Das Bad befinden sich traditionell südlich des sanmon und links und rechts vom Teich. Damit liegen sich außerhalb des reinen Tempelbereichs in der profanen Welt.
Andere Gebäude:
- Hōjō 方丈: Dies ist die Unterkunft des Abtes. Ursprünglich war dies eher eine kleine und unscheinbare Hütte. Aber, als Zen mehr und mehr institutionalisiert wurde, und entsprechend von der Elite unterstützt wurde, wuchs das hōjō zu einem größeren Gebäude heran. Der südlichen Veranda vorgelagert befindet sich ein offener weiter Vorplatz, nantei 南庭 genannt. Dieser Ort wurde später vielfach in einen Zengarten 枯山水 umgewandelt. Die beiden chinesischen Schriftzeichen 山水 bedeuten wörtlich ‘Berg’ und ‘Wasser’ und bedeuten daher im übertragenem Sinne ‘Landschaft’ bzw. ‘Natur’. 枯 bedeutet ‘trocken’. Im deutschen wird auch vom japanischen Steingarten und Trockengarten gesprochen. Der Begriff ‘Zengarten’ ist so im Japanischen nicht bekannt. Diese Zengärten bestehen lediglich aus Kies, Steinen und Felsen. Moos ist die einzige Pflanze, die für einen Zengarten verwendet wird. Hinter dem hōjō befindet sich ein Friedhof 墓地, für die Mönche und Patrone.
- Shōrō 鐘楼: Dies ist der Glockenturm und beherbigt die größte Glocke 鐘 des Zen-Tempels.. Es ist üblich sie zu Sonnenaufgang und -untergang zu schlagen. Ebenfalls wird sie zum Neujahrsabend 108 Mal geläutet.
- Kyōzō 経蔵: Dies ist das Gebäude in dem die heiligen Schriften, Sutras, und auch Tempelchroniken etc. aufbewahrt werden.
- Kaisandō 開山堂: Die Gründerhalle ist der Ort für die Verehrung des Gründerabtes. Am Todestag des Gründerabtes wird hier ein “Gedenkgottesdienst” gefeiert.
- Tachū 塔頭: Bezeichnet einen Nebentempel auf dem Gelände des Haupttempels. Vielfach wurden diese Nebentempel für frühere Äbte des Klosters gebaut.
- Shintō Schrein 神社: Die meisten Zentempel haben Shintō Schreine auf ihrem Gelände. Die Schreine sind entweder extrem alt und sind einer lokalen Gottheit 神 gewidmet oder sie wurden nach der Meiji Restauration erbaut. Nach der Meiji Restauration 明治維新 1868 wurde Shintō zur Staatsreligion erhoben und der Buddhismus fiel in Mißgunst. Um der Verfolgung zu entkommen haben viele buddhistische Tempel Schreine errichtet, um so die staatlichen Autoritäten zu beschwichtigen.
In weiteren Beiträgen werde ich in loser Reihenfolge über Tempel und Schreine schreibe, die ich besucht habe. Zuerst aber einmal eine kleine Auswahl von Bildern zur Architektur japanischer Zen-Tempel.
完






















Danke für die Erklärung zu der Tempel-Architektur