Philosophische Typologie im frühen Daoismus

Philosophische Typologie im frühen Daoismus
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Auf der Basis einer Kategorisierung von Texten aus der Zeit der Streitenden Reiche 戰國時代 und frühen Han 漢朝, die zur Schule des Dao gezählt werden, kommt man zu einer Einteilung distinktiver Ideen. Diese drei Texttypen behandeln bestimmte Themen und sprechen so auch verschiedene philosophische Richtungen im Daoismus an. Es ergeben sich folgende allgemeine Kategorien von Themen:

  1. Kosmologie: eine Kosmologie, die auf dem Dao als vorherrschende vereinigende und grundlegende Kraft im Kosmos basiert;
  2. Innere Kultivierung: die Verwirklichung des Dao durch einen Prozess des Entleeren des Herz-Geistes bis eine tiefgreifende Erfahrung der Ruhe verwirklicht wurde;
  3. Politische Gedanken: die Anwendung und Nutzbarmachung der Kosmologie und Inneren Kultivierung auf das Problem der Herrschaft.

Ausgehend von dieser Einteilung, kann man den frühen daoistischen Texte ebenfalls drei philosophische Orientierungen bzw. Typen zu ordnen1. Die vorgefundene philosophische Typologie im Daoismus ist: Individualisten, Primitivisten und Synkretisten.

Der erste Typus wird repräsentiert durch die Inneren Kapiteln des Zhuangzi 莊子 und dem Neiye (Innere Kultivierung) 內業 und kann auf die Mitte des vierten Jahrhunderts v. Chr. datiert werden. Die Vertreter dieser Richtung sind ausschließlich mit der Kosmologie und inneren Kultivierung beschäftigt. Ihr Anliegen ist die Verwirklichung einer mystischen Erfahrung, die zur Rückkehr zum Dao führt. Weil sie sich konzentrieren auf ihre eigene Kultivierung und sich nicht mit politischen und sozialen Gedanken befassen, werden sie Individualisten genannt.

Der zweite Typus wird textlich repräsentiert durch das Daodejing 道德經 und die Zhuangzi-Kapitel 8 bis 10 und der ersten Hälfte vom 11. Kapitel. Hier beschäftigen sich die Anhänger auch weiterhin mit der Kosmologie und der inneren Kultivierung, aber fügen noch eine politische und soziale Philosophie hinzu. Sie propagieren eine Rückkehr zur einer Gesellschaft, die ein primitives Gesicht hat. Es ist eine Gesellschaft kleiner agrarischer Lebensgemeinschaften, die weg will vom Maschinenherz und in ihrem kleinen Kreis selbstbestimmt lebt. Daher werden sie  Primitivisten genannt.

Die dritte philosophische Orientierung in den frühen daoistischen Texten wird nach Angus Graham, einem berühmten Sinologen, als Synkretisten bezeichnet. Textliche Repräsentaten dieser Richtung sind das Huainanzi 淮南子, Huangdi sijing 黃帝四經, ein Großteil des Guanzi 管子 und die synkretistischen Kapitel im Zhuangzi. Ihr Kennzeichen ist wiederum die Anwendung der inneren Kultivierung und Kosmologie, die jetzt aber dem Herrscher als Regierungstechnik an die Hand gegeben wird. Die mystische Erfahrung des erleuchteten Regenten ist hier Mittel, um die Gesellschaft zu führen. Man geht weg von der privaten mystischen Erfahrung hin zu einer viel stärkeren gesellschaftlichen Nutzbarmachung. Die Synkretisten bedienen sich für ihre politische und soziale Philosophie auch am konfuzianischen und frühen legalistischem Gedankengut.

Die Klammer bzw. der rote Faden, der sich in allen daoistischen Typen wieder findet, ist die Technik der inneren Kultivierung und das gleiche Vokabular der Kosmologie. Damit sind im hohen Maße die übereinstimmenden Techniken der Selbstkultivierung identitätsstiftend für den Daoismus.

  1. Ich vertrete hier nicht die populäre Zweiteilung des Daoismus in einen religiösen 道教 und einen philosophischen Daoismus 道家.
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