Pages Menu
TwitterRssFacebook
Categories Menu

Gepostet by on 29. Apr, 2012 in Blog, Buddhismus, Indien

Samadhi als Erkenntnisfaktor im Buddhismus

Samadhi als Erkenntnisfaktor im Buddhismus

Im Beitrag über Sati als Erkenntnisfaktor im Buddhismus habe ich die Wichtigkeit der Achtsamkeit sati für die Meditation im besonderen und dem Heiligen Wandel im allgemeinen beschrieben. In diesem Beitrag geht es um den Erkenntnisfaktor Konzentration (samadhi-sambojjhanga).

Achtsamkeit ist die Fähigkeit sich der Dinge bewusst zu sein – und zwar von Moment zu Moment. Wenn der Yogi in der Lage ist, kontinuierlich die Achtsamkeit aufrecht zu halten, dann führt dies zu Konzentration1 samadhi2. Der Visuddhi-Magga definiert samadhi wie folgt:

Sammlung ist die ‘Einspitzigkeit’ (ekaggata,d.h. Einobjektigkeit oder Gerichtetsein auf ein einziges Objekt) des heilsamen Bewußtseins (Visuddhi-Magga, zit nach: Nyanatiloka, 1997, S. 102).

Bei der Gemütsruhe-Meditation samatha-bhavana wird während der gesamten Meditation die Achtsamkeit auschliesslich auf ein Objekt gerichtet, bei der Einsichtsmediation vipassana-bhavana hingegen wird die Achtsamkeit in jedem Moment zwar auch nur auf ein Objekt gerichtet, aber das Objekt ist während der gesamten Meditation nicht dasselbe. Der Pali-Begriff samadhi ist ein Kompositum aus ‘sam’, ‘a’ und der Wurzel ‘dha’ und bedeutet soviel wie fest-zusammen-gefügtsein. Fest-zusammen-gefügt sind hier die Achtsamkeit sati und das Meditationsobjekt.

Im Anguttara-Nikaya findet sich eine Lehrrede sutta in der der Buddha von einem Mönch gebeten wird, ihm in kurzen Worten die Lehre darzulegen. Der Buddha beginnt die Lehrrede mit:

“Wohlan, o Mönch, so sollst du denn danach streben: ‘Der Geist in meinem Inneren soll standhaft sein und wohl gefestigt, und nicht sollen ihn die üblen, unheilsamen Dinge fesseln!’ Danach, o Mönch, sollst du streben (Samkhitta-Sutta im Anguttara-Nikaya, zit. nach Nyanatiloka, 1993c, S. 162).

In dieser Lehrrede wird auch deutlich, dass Konzentration samadhi “nicht auf das Entwicklen der Geistesruhe (samatha) beschränkt ist, sondern sich auch auf den Bereich der Einsichtsmeditation (vipassana) beziehen kann” (Analaya, 2010, S. 86). Der Buddha spricht:

Sobald du aber, o Mönch, diese Sammlung also entfaltet und gut geübt hast, so sollst du, o Mönch, danach streben: ‘Beim Körper will ich in der Betrachtung des Körpers weilen, eifrig, wissensklar und achtsam, nach Überwindung weltlichen Begehrens und Kummers.’ Danach, o Mönch, sollst du streben (Samkhitta-Sutta im Anguttara-Nikaya, zit. nach Nyanatiloka, 1993c, S. 163).

Hier wird also beschrieben, dass der Mönch bhikkhu die Sammlung, d.h. Konzentration samadhi, entfaltet hat, um anschliessend mit der Satipatthana-Meditation – auch Vipassana-Meditation – zu beginnen. Dies wird deutlich in den Worten “Beim Körper will ich in der Betrachtung des Körpers weilen”.

Es ist also deutlich geworden, dass samadhi entfaltet werden kann, um dann zwei verschiedenen Meditationsmethoden zu folgen: Ruhemeditation und Einsichtsmeditation. Wer dem Pfad der Ruhemeditation folgt, der entwickelt sati weiter zu fixierter Konzentration3, die zur angrenzenden Sammlung upacara-samadhi führt und von dort zur vollen Konzentration appana-samadhi und den Vertiefungen samatha-jhana. Der Yogi, der der Einsichtsmeditation folgt entwickelt sati weiter zu momentaner/beweglicher Konzentration4, die zu vipassana-khanika-samadhi (Mahasi, 1995, S. 34-35) führt und von dort zu den Einsichtsvertiefungen vipassana-jhana. Upacara-samadhi, wird entwickelt auf dem Pfad der Ruhemeditation, und vipassana-khanika-samadhi, wird entwickelt auf dem Pfad der Einsichtsmeditation, haben beide die Reinheit des Geistes citta-visuddhi zum Ergebnis. Sayadaw U Pandita schreibt hierzu in In this very life:

Vipassana objects are arising and passing away all the time, and momentary concentration arises in each moment with each object. In spite of its momentary nature, such samadhi can arise from moment to moment without breaks in between. If it does so, momentary concentration shares with continuous concentration the power to tranquilize the mind and keep the kilesas at bay (Pandita, 1993, S. 151).

Die Reinheit des Geistes citta-visuddhi und die Einsichtsvertiefungen vipassana-jhana werden im kommenden Beitrag zum Erkenntnisprozess im Buddhismus erneut aufgegriffen und vertieft. Zu den beiden Vertiefungen jhana folgen gesonderte Beiträge.

Es sollte jetzt klar sein, wie sich Konzentration samadhi aus Achtsamkeit sati entwickelt. Ebenfalls sollte die Wichtigkeit der Konzentration sowohl für die Ruhemeditation als auch für die Einsichtsmeditation verständlich sein. Abschliessend noch einmal der Ehrwürdige Sayadaw U Pandita:

Concentration is the proximate cause for the unfolding of wisdom. This fact is very important. Once the mind is quiet and still, there is space for wisdom to arise. There can be comprehension of the true nature of mind and matter (Pandita, 1993, S. 153).

Der nächste Beitrag Satipatthana als direkter Weg zur Erkenntnis beschäftigt sich genau mit dem Erkennen der wahren Natur von Name und Form (nama-rupa).


Share

  1. Vielfach auch mit Sammlung übersetzt
  2. “The Buddha said that continuous wise attention, aimed toward the development of concentration was the cause of concentration. Preceding concentration causes successive concentration to arise” (Pandita, 1993, S. 154).
  3. nach Pandita (1993, S. 150) “fixed concentration” auch “continuous concentration”.
  4. nach Pandita (1993, S. 150) “moving concentration” und nach Mahasi (1995, S. 34) “momentary concentration”.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>